Bericht von Larissa (Nov 2012)

 

Hallo liebe Freunde in der weiten Ferne,

ich schicke euch hier ein paar Neuigkeiten aus Kenia. Heute vor genau einer Woche begann die Reise in der Frühe vom Flughafen Tegel. Der Abschied viel mir nicht leicht von Familie, Freund und Freunden  und so flossen viele Tränen. Der fast 8 stündige Flug klappte ohne Probleme und Turbulenzen und so sind meine Partnerin, Johanna, die ich in Zürich traf und ich am Abend am Flughafen in Kenia abgeholt worden. Ca. eine Stunde dauerte die Fahrt vom Flughafen bis nach Kajiado. Es war für uns ein komisches  und bedrückendes Gefühl in einem fremdem Land, auf einem fremden , mit noch fremden Menschen  in der tiefen der Nacht auf einer „asphaltierten und doch sehr staubigen Straße“, ohne Straßenbeleuchtung,   zu unseren neuen Bleibe gebracht zu werden. Da die  Leiterin hier vor Ort und unsere Ansprechpartnern bis vorgestern im Krankenhaus war, fühlten wir uns an diesem Abend etwas alleine gelassen. Zwar wurden wir herzlich empfangen genommen und in Kenia bzw. Kajiado begrüßt, trotzdem wirkte der Kulturshock seit dem Ausstieg aus dem Flugzeug in vollen Zügen und dies machte die ersten Tage und Nächte ziemlich schwer. Es war für uns fremd, die „Toilette“ zu sehen- eine Latrine, kein fließendes Wasser zu haben und  von Krabbeltieren überrascht zu werden. Des Weiteren bereiten mir ungewohnte Geräusche wie aufheulende Hunde und ein Iman, der in aller Frühe zum Gebet aufruft, sowie Sehnsucht nach zuhause und der Abschiedsschmerz, unruhige Nächte.

Am  ersten Tagen richteten Johanna und ich uns in unserem Haus ein. Wir reinigten alles, kauften Trinkwasser ein und sahen dabei  die kleine Stadt Kajiado. Nachmittags, nach der Schule, haben wir dann die Mädels kennengelernt. Viele kamen auf mich und Johanna zu, wollten wissen, wie wir heißen würden, wo wir herkommen und wie es uns gehen würde. Zu ihrer Überraschung, habe ich dann des Öfteren erklärt, dass ich nicht aus Amerika kommen würde, sondern aus Deutschland und das mein Vater aus Ghana  und meine Mutter aus Deutschland käme. Da blieb der Mund einen Moment offen stehen und dann folgte ein woah und anschließend wurden die Haare angefasst. Es war sehr schön zu sehen, dass die Mädchen sehr fröhlich und aufgeweckt sind, mit einem Reden wollen, einen Anfassen möchten, die Hand streicheln und Fragen über Fragen haben. Es war nichts dergleichen  von ihrem Schicksal zu merken. Die Mädchen freuen sich darüber, dass sie in mir einen afrikanischen Teil sehen und ich deshalb zu ihnen gehöre, trotzdem aber aus Deutschland komme. Zwar sind einige Mädchen stiller und scheu, andere extrovertiert, aber trotzdem haben sie einen offen willkommen geheißen.

Die ganzen neuen und fremden  Dinge in den ersten Tagen, fallen schon nicht leicht und der vorangekündigte Kulturshock ist bei mir und Johanna unaufhaltsam eingeschlagen. Wir haben gemerkt, man kann auf vieles vorbereitet sein, erzählt bekommen, dass man kein fließendes Wasser hat, aber erst wenn man es live erlebt, spürt man, was es in einem auslöst und wie fremd alles für uns ist. So ist ein Gottesdienst von 5 Stunden noch etwas gewöhnungsbedürftig, die Krabbelviecher, die sich immer mal blicken lassen, das Schlafen unter einem Moskitonetz, der plötzliche Platzregen und die stark schwankenden Temperaturen im Laufe eines Tages, können  einem doch die Heimat ziemlich vermissen lassen.  Des Weiteren ist es für unser Augen erschreckend, wie viel Abfall auf der Straße in der Stadt rumliegt, die Kinder oder allgemein die Menschen ohne Helme Motorrad fahren und welche LKWs hier ganz normal im Straßenverkehr fahren. So was wie eine Umweltzone gibt’s hier nicht:) Zwar nehmen wir diese Dinge mit unserem Auge erschreckend wahr, gleichzeitig sieht man aber, dass die Menschen in diesen doch einfachen Verhältnissen zurechtkommen und dies ihr Umfeld ist. Ich bin bei allem optimistisch und denke, man wird sich an alles gewöhnen und sich zu Recht finden- das muss man ja zwangsläufig. Von Tag zu Tag wird es besser und ich merke, dass meine Seele langsam ankommt, hier im verregneten Kenia. Vorgestern erlebten wir unseren ersten Abend im Dunkeln, da durch strömenden Regen und ein Gewitter, der Strom für einige Zeit ausfiel. Aber auch diese Situation haben wir gemeistert.

Wir werden leider erst im kommenden Jahr anfangen die Mädchen in Deutsch und Informatik zu unterrichten, da in dieser Woche noch Abschlussprüfungen sind und dann die sechswöchigen Ferien beginnen. Johanna und ich werden dann mit den Kindern, die in den Ferien hier bleiben werden, da nicht alle Mädchen nach Hause gehen können, Aktivitäten machen und versuchen die freie Zeit für sie so schön wie möglich zu gestalten.

Wir lernen hier sehr deutlich unsere Leben in Deutschland wertzuschätzen und merken mit welchem Reichtum wir doch gesegnet sind. Aber auch hier spüren wir Gottes Führung und Gegenwart an jedem neuen Tag.  Jeder Tag ist hier noch ungewiss, was geschehen wird, doch durch Gottes Hilfe und Beistand  bekomme ich Kraft, strak und taper zu sein, obwohl dass nicht immer leicht ist.

Ich danke euch für eure Unterstützung und Anteilnahme, ihr werdet wieder von mir hören.

Lasst es euch gut gehen.

Es grüßt, Larissa in Kenia